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17. April 2011 / RBrosowski

(Film-)Rolle rückwärts

Einen neuen Blog zu eröffnen, ist immer eine interessante Angelegenheit. Oftmals geht der Blick nach vorne, doch bei mir ging er diesmal zurück. Vor mittlerweile über 20 Jahren habe ich mit der Fotografie angefangen, sie dann aus beruflichen Gründen jedoch schleifen lassen – doch nun möchte ich aber wieder durchstarten. Doch ich wollte eine Rolle rückwärts machen. Während heute alle von digitaler Fotografie reden, ich besitze selber zwei digitale SLR-Kameras, wollte ich wieder analog durchstarten. So reaktivierte ich meine EOS 650 und wollte dann auch die 50E wieder zum Leben erwecken.

Die Canon EOS 50E

Die Canon EOS 50E

Die 50E war aus der Mittelklassenserie von Canon.  Sie hatte ein Feature eingebaut, welches bis heute nicht wieder in die Spiegelreflexkameras zurückgekehrt ist: einen augengesteuerten Autofokus: Die Kamera hat drei Autofokusfelder. Schaut man durch den Sucher, registriert die Kamera durch einen Sensor, wohin der Fotograf gerade schaut und aktiviert das Autofokusfeld. In der Tierfotografie habe ich dieses Feature schätzen gelernt. Bewegt sich das Motiv – das haben Tiere nun so an sich, kann man das Autofokusfeld nachführen, ohne irgendeine Taste drücken zu müssen oder die Kamera zu bewegen. Warum Canon das Feature bis heute nicht mehr bringt, ist mir vollkommen unverständlich.

Das Reaktivieren der 650 war einfach. Neue 2CR5 Batterie gekauft – die es zum Glück noch gibt – eingelegt und fertig. Nach über zwei Jahrzehnten arbeitet die Kamera immer noch. Bei der 50E wurde es jedoch schwierig. Die Klappe an der Rückseite liess sich nicht mehr  schliessen. Offenbar war ein Dorn kaputt gegangen, an den sich die Klappe einhängt.

Der Verschluss der Filmklappe der 50E

Dieser Verschluss war defekt und konnte nicht mehr verriegelt werden.

Anfangs dachte ich mir, dass dies sei soweit kein grosses Problem. Ich fragte beim Canon Service nach, was nun zu machen ist. Dieser ist – ich will fast schreiben: natürlich – ausgelagert an einen Dienstleister. Kurz nach Büroöffnungszeit bekam ich die Antwort. Nein, da ginge nichts mehr.

Ich war erstaunt und auch etwas entsetzt. Die Zeit wandelt sich massiv. Ich bin selber nicht wirklich alt, gerade mal 30 Jahre habe ich auf dem Buckel. Aber selbst ich kenne noch die Zeiten, in denen in Fotogeschäften bei solchen Problemen fieberhaft nach Lösungen gesucht wurde. Und hier sagt der Canon Service einfach „Nö“ – hat man halt Pech gehabt.

Ich googelte etwas herum. Nach keinen 30 Minuten fand ich heraus, dass dies ein bekanntes Problem der Serie sei und fand Ersatzteilnummern. Die angeblich nicht mehr lieferbaren Teile waren also doch verfügbar. Also fragte ich beim Service nach, ob sie mir wenigstens bestätigen können, ob ich das passende Teil gefunden hätte.

Aber auch hier wieder die „no-service“ Antwort. Nein, sie hätten keine Zeichnungen mehr von der Kamera. Sorry, dies ist in meinen Augen Faulheit. Wir haben heute Terabyte Platten auf den Schreibtischen stehen und der offizielle Canon Service behauptet, es gäbe keine Zeichnungen mehr zu den Kameras? Naja, es kam wie es kommen musste, die Teileliste fand ich dann selber im Internet…

Eine parallele Anfrage bei einem Fotohändler war teilweise erfolgreich: auch hier hiess es zunächst. „Keine Chance“, die Kamerareparatur wäre sicherlich teurer als das Original. Ich frage nach und erhielt zumindest die Adresse eines Kollegen, der die Kameras sich ansehen würde.

Da dies alles recht unbefriedigend war, orderte ich schliesslich auf eigene Faust bei der „San Diego Camera Solutions“ das wohl passende Ersatzteil. Zwei Stück à 9.50 Dollar plus 14 Dollar Versand. Fünf Tage später waren die Teile da. Mit einem Phillips Schrauber wagte ich mich dann an den Austausch.

Der Austauschriegel für die 50E

Links das defekte, alte Teil, rechts das neu verpackte Ersatzteil

Der Lieferant legte netterweise eine Reparaturanweisung bei. Am Ende war es auch für mich, ein bekennender Grobmotoriker, kein sonderliches Problem, es auszutauschen. Nach etwa 20 Minuten war alles erledigt und die Kamera funktioniert seitdem wieder einwandfrei.

Für mich beginnt jetzt die Rolle rückwärts. Mal schauen, wie sich die analoge Fotografie gegenüber der digitalen schlägt. Sehe ich mir an, wie sehr die heutigen Kameras bei dunklen Bildern rauschen, dann denke ich, dass die analoge Fotografie gerade heute wieder ihre Berechtigung hat. Von Canon hätte ich mir schon erhofft, dass der Service an einen Dienstleister ausgelagert worden wäre, der sich verbundener zu Fotografie fühlen würde. Funktionsfähige Kameras als unreparierbar darzustellen, wenn alle Infos im Netz frei verfügbar sind und die Ersatzteile problemfrei beschaffbar sind, ist schwach.

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  1. Jan Brosowski / Apr 17 2011 20:42

    Herzlichen Glückwunsch und viel Vergnügen bei der Rolle rückwärts! Bin schon sehr auf die Bilder gespannt – wenngleich ich natürlich gedulig warte, bis die 36 Bilder voll sind.

  2. Harald Hadragar / Mai 10 2012 20:17

    Bin auch gerade auf die EOS 50e gestoßen und finde die fabelhaft. Einen Wermuthstropfen gibt es aber leider, und das ist beinahe wörtlich zu nehmen: Es gibt einen bösen Materialfehler in Form eines Gummiteils, ein Dämpfer oberhalb des Verschlusses, der sich mit der Zeit in seine öligen, klebrigen Bestandteile zersetzt. Das flüssige Zeug läuft in die Verschlusslamellen und das war es dann mit dem unbeschwerten Umgang mit der EOS. Im Netz fand ich viele Erfahrungsberichte dazu, scheints haben alle analogen EOS dieses Problem. Außer provisorischer und riskanter Reinigung mit Wattestäbchen und Alkohol scheint es keine Abhilfe zu geben. Ich habe deshalb schonmal 4 billig erworbene gebrauchte 50e, die das Problem noch nicht zeigen, gebunkert. Die erste, die ich bei Ebay ersteigerte, hatte den Klebmassentod der Lamellen nach 20 Auslösungen meines ersten Probefilms. Ich werde dieses Gehäuse sezieren, mal sehen, ob man sich selbst als Kamerachirurg fortbilden kann, denn auch hier kann natürlich Canon nicht helfen.

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