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21. April 2011 / RBrosowski

Harte aber sinnfreie Diskussion

Gestern Abend lief wieder eine Folge der Polit-Talkshow „hart aber fair“. Das Thema war spannend gewählt, es ging darum, dass alle gerne „grün“ wählen, aber so eben nicht leben wollen.

Die Gästeliste lies jedoch schon ahnen, dass Sachargumente wieder keine Chance haben würden bzw. dass die Diskussionskultur wieder zurückhaltend sein würde. Utz Classen (früher EnBW), Dirk Maxeiner (Lexikon der Öko-Irrtümer), Jean Pütz (Hobbythek), Hubert Weiger (BUND) und die ihre eigene Stimme wahrscheinlich liebende Jutta Ditfurth (sie ist gegen alles) trafen aufeinander.

Die Sendung war darauf ausgelegt, den Leuten zeigen zu wollen, dass grundsätzlich jeder grün toll findet, aber keine die Nachteile in Kauf nehmen will. Das Konzept an sich stimmt grundsätzlich. In der Standortplanung gibt es das sogenannte „not in my backyard“ Problem. Den Flughafen will man in der Nähe haben, aber den Fluglärm nicht. Die LKWs sollen auf die Schiene, der lärmende Güterzug aber nicht in der Nähe vorbeifahren. So ist es auch klar, dass viele gerne Windkraft hätten, den 200 Meter Rotor aber eben nicht in Sichtweite.

Sachargumente kamen jedoch relativ wenige in der Diskussion herüber. Das nächst beste Thema wird gerne angegangen, aber die Folgen daraus nicht. So sagte Frau Ditfurth unter Applaus, man könne beispielsweise den Industriestrom höher bepreisen, sodass Aluminiumwerke energieeffizienter produzieren. Klingt logisch. Bedeutet aber auch, dass die Werke in Deutschland dann gegen ausländische konkurrieren müssen, die diesen Wettbewerbsvorteil haben. Hier muss offensichtlich eine Lösung gefunden werden, die eben nicht an der Landesgrenze hält.

Der Bau eines Pumpspeicherkraftwerks war dann ein Thema für den BUND. Hier wurde ein Werk gezeigt, dass verhindert werden soll, weil eine Eulenart dann gefährdet wäre. Dort kam ebenfalls das populistische „Atom“-Argument zum tragen. Das Werk bräuchte es heute, um den Atomstrom zu puffern. Wenn jedoch wirklich der Solarausbau forciert werden soll und gleichzeitig die Grundlast damit gedeckt werden sollte, braucht es in Zukunft nicht nur ein neues Pumpspeicherkraftwerk, sondern derer eher Hunderte. Eines ist aber klar: ein Pumpspeicherkraftwerk, dass „guten“ Solarstrom speichert, würde die Eule ebenfalls gefährden. Wetten wir, dass dies ebenfalls Proteste auslöst?

Erstaunt hat mich, dass Jean Pütz ein 12 Jahre altes Auto fahren darf, ohne eine „Stinker“-Diskussion auszulösen. Der Normalbürger, der ein altes Auto fährt, wird mit einer roten Umweltplakette gebrandmarkt und wird aus den Städten ausgesperrt. Macht es Jean Pütz, ist es ein grüner Vorzeigemensch.

Die Sachargumente sind am Ende völlig untergegangen. Der Versuch von Herrn Maxeiner, die Differenzierung zwischen Grundlast und Spitzenlast hinzubekommen, ist in der Runde gänzlich untergegangen. Die Widersprüche in der Diskussion waren immens. Immer wieder sollte mit Solarstrom der Atomstrom ersetzt werden. Am Ende kam dann die Bemerkung, „an einem Tag wie diesen, kann Solar die Spitzenlast gänzlich abdecken.“ Genau das ist das Thema. Ein Kohle- oder Atom-Kraftwerk ist eben nicht dafür gebaut, die Spitzenlast abzudecken. Das kann es nicht. Man bräuchte die oben genannten Speicher, um die Spitzen der regenerativen Energien so zu glätten, dass sie für die Grundlast passen. Aber auch hier sollte auch bedacht werden, dass in Zeiten mit hohem Energiebedarf im Winter, der Solarstrom eben nur eingeschränkt zur Verfügung steht.

Schade war, dass die Redaktion relativ hart versucht hat, die „keine will grün leben“ Botschaft durchzubringen. Der Test zum Schluss war peinlich, dann habe ich abgeschaltet. Als wieder vom „Dummen“ gesprochen wurde, der hinter dem LKW herfährt, war es mir selbst zu dumm.

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