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29. September 2011 / RBrosowski

Entwicklungsmöglichkeiten für Zurzach mit Umfahrung

Heute möchte ich den Ball umdrehen und ein Überlegungen anstellen, was passieren würde, wenn Zurzach die Umfahrung in der „Deckel“ Variante bauen würde. Da dies eine Möglichkeit ist, was in den nächsten Jahren ansteht, sind diese Überlegungen ziemlich relevant. Also schauen wir mal.

Zunächst ist festzuhalten, dass Zurzach dann eines nicht ist: verkehrsfrei. In allen Umfahrungsvarianten ist der Weg durch Zurzach der Backup-Plan. Die Strassen müssen also weiterhin befahrbar bleiben. Das schränkt einerseits die Gestaltungsmöglichkeiten ein, sorgt aber andererseits auch für Planungssicherheit.

Bei einer Aufwertung kann man also beispielsweise nicht von einer Fussgängerzone ausgehen und Cafés auf die Strasse stellen. Für mich stehen bei diesen Aspekten hier wirtschaftliche Überlegungen im Vordergrund. Letztendlich muss Zurzach überlebensfähig bleiben, nicht nur in 5 Jahren – sondern auch in 50 und mehr. Auch ist Zurzach kein Magnet für die Superreichen, die mit einem Mal einen grossen Patzen Steuergeld einbringen. Zumindest glaube ich nicht, dass Zurzach hier mit über 100% Steuern eine Chance hat.

Wenn Zurzach die Umfahrung eingeweiht hat, bedeutet dies konkret, dass irgendwo zwischen 5000 und 6000 Fahrzeuge Zurzach nicht mehr queren werden. Wenn ein Auto mit durchschnittlich 1.1 Personen besetzt ist, haben wir um die 5500 Menschen, die nicht mehr durch den Flecken fahren. Die erste Folge wird damit sein, dass sowohl spontane Einkäufe als auch mehr oder weniger geplante Halts nicht mehr stattfinden werden.

Hier zwei Beispiele: die Pendler, die Ihre Autos noch auftanken wollen, werden dies sicherlich an der neuen Tankstelle in Tegerfelden tun und das Geld nicht mehr in Zurzach lassen. Auch dürften die Brötchen oder Zigaretten, die beim Rausspringen gekauft werden, nicht mehr in Zurzach erstanden werden. Ein ähnliches Bild sollte den Geschäften drohen. Wenn sie aus dem Auto heraus sehen, dass sie Ware am Strassenrand haben, kommt ihnen in den Sinn, dass hier Läden sind. Fahren sie durch die Umfahrung, dürfte recht schnell ein altes Sprichwort sich wieder bewahrheiten: aus den Augen, aus dem Sinn.

Um es kurz zu machen: in Zurzach wird es noch mehr dazu kommen, dass die Geschäfte mit lokalen Stammkunden arbeiten müssen und weniger Laufkundschaft haben können. Die fährt an Zurzach vorbei. Folglich müssen andere Kunden in den Flecken gezogen werden. Hier gibt es zwei Ansprechstellen: der Parkplatz am Thermalbad und der Bahnhof.

Der Parkplatz am Thermalbad hat heute einen grossen Ausgang mit einem schön hergerichtete Platz. Hier können die Kunden darauf aufmerksam gemacht werden, was sie im Flecken erwartet. Dies als ergänzendes Angebot zum Bad selber.

Am Bahnhof sehe ich da recht grosses Potential. Die Leute werden heute eher zurückhaltend empfangen und direkt am Flecken vorbeigeleitet. Dabei ist gerade am Bahnhof eine riesige Fläche zwischen dem Bahnhofsplatz und den Häusern der Schwertgasse. Der Platz sollte zumindest so ergänzt werden, dass das Rosengässli, welches direkt in den Flecken führt, optisch wahrnehmbar und ansprechend ist. Vielleicht könnte man auch aus der Fläche mehr machen, als heute gemacht wird. Zurzach hat ja ein Parkplatzproblem, könnte man hier nicht ein flaches Parkhaus bauen?

Im Flecken selber werden sich die Geschäfte umorientieren müssen. Hier will ich einen Beraterspruch loswerden: es braucht den unique selling point. Es braucht irgendetwas, was die Kunden nur in Zurzach erhalten und deswegen zum Flecken kommen. Das ist in meinen Augen das entscheidende Problem. Schaue ich in die Zukunft, dann hat Zurzach direkt vor der Haustüre einen Konkurrenten: das neue Bad in Baden. Es besteht die akute Gefahr, dass das Thermalbad hier Kunden verlieren wird. Aber es bestehen trotzdem noch andere Chancen. Vielleicht könnten diese in kombinierten Angeboten bestehen.

Während die Frau im Wellness liegt, könnte man für den Mann ein Angebot im Flecken aufbauen. Warum nicht etwas „Gemeinheit“ hineinbringen?

Während sich die Frau im Wellnessbereich schöner machen lässt, kann sich der Mann beim Herrenausstatter neu einkleiden.

Sicherlich, das würde nur für die „teuren“ Kunden reichen. Aber nur die sind wohl bereit, auch grössere Distanzen für eine Dienstleistung in Kauf zu nehmen. Oder wie wären andere Kombinationen: während der Mann Sport treiben kann, geht die Frau in den vielen Kleidergeschäften shoppen. Hier wäre es hilfreich, wenn die heutige Werbung ausgebaut würde. Es sollte nicht mehr nur für das Thermalbad geworben werden, sondern immer für sinnvolle Kombinationen von Thermalbad und Fleckenangebot.

Eine gewagtere Variante wäre natürlich zu versuchen, Zurzach zu einer Art „Spreitenbach im Kleinen“ umzubauen. Man müsste die entsprechenden Läden so subventionieren, dass sie für grössere Ketten attraktiv würden. Dies ginge zwar wieder auf Kosten der heutigen Läden, aber so könnte sich wieder diese Verkaufsstory ergeben: Wellness und Shopping. Schwierig ist daran natürlich, sich dann wiederum von Baden zu differenzieren, die eine erheblich bessere Fussgängerzone anbieten. Aber: in Baden ist das Thermalbad unten und die Einkaufszone weit entfernt. In Zurzach sind die Distanzen näher. Entscheidend ist hier weiterhin, dass man die Kunden abholt. Sprich: sie müssen überall die Kombination an Dienstleistungen wahrnehmen. Es darf nicht mehr nur Thermalbad oder Flecken heissen, es muss immer zusammen fallen.

Einen ganz anderen Weg könnte man jedoch auch gehen. Möglicherweise gibt es Potential im Dienstleistungssektor. Zurzach könnte sich zu einer Altersresidenz entwickeln und entsprechende Angebote aufgebaut werden. Beispielsweise kurzfristig verfügbare Hilfsdienste. Für alte Menschen kann schon das Wechseln einer Lampe schwer sein. Brauchen sie eine neue, wollen sie aber wohl kaum 2 Tage warten, bis der Elektriker kommen kann. Es braucht jemanden, der kurzfristig Zeit hat, nach Hause kommt, die alte Lampe rausdreht und die neue hineindreht. Hier machen sich Nischen auf: Ich erledige Ihren Einkauf und bringe ihn sofort nach Hause – nicht erst nach Stunden wie beim heutigen Onlineshopping. Sie wollen die Pflanze woanders stehen haben? Ich komme sofort. Und so weiter. Möglicherweise können die Läden hier ebenfalls profitieren, wenn sie beispielsweise Heimlieferungen anbieten könnten. Das geht natürlich nur in beschränktem Ausmass.

Eine weitere Möglichkeit dürfte im Ausbau der Wanderwege liegen. Es könnte beispielsweise erheblich mehr Bänke geben oder eine bessere Beschilderung – nicht nur die kleinen Wegweiser. Teils hat es das heute schon. Oder wie wäre es mit Attraktionen? Die Gegend, in der heute die Umfahrung eingezogen werden sollte, könnte sich beispielsweise auch für einen riesen Spielplatz anbieten. Dann gäbe es Attraktionen für jung und alt.

Diese ganzen möglichen Themen sind sicherlich zu konkretisieren. Eines ist aber klar: auch diese Kosten Geld und sind kaum verzichtbar, soll der Flecken nicht aussterben. Die Kosten sollten den Zurzachern jetzt klar sein – und nicht erst, wenn der erste Bagger vorfährt. Das ist ein Punkt, den ich sehr kritisch sehe.

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